REFLECTING DESIGN

Das Haus, in dem er aufwuchs, ist die Wiege seines Designs.

Damals und dort entstand seine Liebe für den architekturalen Kontext: Wie funktioniert ein Objekt im Raum, wie funktioniert das Licht im Raum – und wie beeinflussen sie sich gegenseitig? Sein reflektierendes Design hat viele Schichten – auf konkreter, übertragener und konzeptueller Ebene. Zurückdenken, nachdenken, vorausdenken. Spiegelungen und Betrachtungen. Jord Lindelauf ist fasziniert davon, wie Licht von einem Objekt in den Raum reflektiert wird. Aluminium ist sein Medium.

Jord ist in einem – von Architekten entworfenen und eingerichteten – Haus aus den 80er/90er Jahren aufgewachsen. In einem Meer von Licht also, umgeben von viel glänzendem Chrom und Hochglanzlack. Wohin man auch schaute: am Mobiliar, den Lautsprechern bis hin zum Treppengeländer, überall Materialien und Oberflächen, die das Licht reflektierten. „Diese Erinnerungen bilden die DNA der Entwürfe.“

Das Chrom seiner Jugend hat Platz gemacht für Aluminium, allerdings kombiniert mit einem Highgloss-Finish. „Eine reflektierende Oberfläche hat zwei Vorteile: Das Tageslicht dringt weiter in den Raum ein. Und das Objekt drängt sich nicht in den Vordergrund, denn es verschmilzt mit seiner Umgebung.“

Die ALL U-Serie besteht aus autonomen Spiegeln (S-M-L): Zwei sanft gebogene Aluminiumplatten sind mit dem Rücken aneinander gelehnt (verleimt). Die eine kann nicht ohne die andere (be)stehen: das Yin-Yang-Konzept. Ein selbstreflektierendes Design: Man ist alleine mit seinem Spiegelbild. Die Spiegelung führt zu Reflexionen über sein Aussehen, seine Gefühle und Gedanken. Und im Hintergrund eröffnet sich eine andere Sicht auf die vertraute Umgebung.

Die 808-Serie reflektiert ein philosophisches Konzept: Das Leben kann so einfach sein. Das gleiche gilt für das Designkonzept: die elementarste Form eines Tischs, eines Stuhls, eines Bücherregals. Jedes Kind zeichnet vier Beine und eine Tischplatte. Dieses Bild ist in unserem kollektiven Gedächtnis verankert. „Ein Designer hat keine Handwerksausbildung! Was ich entwerfe, will ich auch selbst machen können. Von daher: Keep it simple.“ Deshalb funktioniert die 808-Serie kinderleicht: ein Aluminium-Rohr (Beine) und ein Holzbrett (Tischblatt, Sitzfläche, Rückenlehne). Auch hier kommt die „Dual Balance“ ins Spiel: die Harmonie von Gegensätzen im Leben, in der Natur. Das matte, da unbehandelte Aluminium mit seiner rauen Textur für die vertikalen Ständer. Das Holz in Hochglanzbearbeitung für die horizontalen, rundherum abgerundeten Platten und Bretter. Und das durch nicht weniger als acht (!)Lackschichten, die zwischendurch poliert werden. Ergebnis: so spiegelglatt und reflektierend wie Metall mit Premium-Coating. Die optisch schwebenden Platten scheinen unabhängig von den Ständern zu schweben. Die Alu-Rohre sind perfekt zentriert durch die Aussparungen in den Brettern geführt. Fixiert wird alles mit einem unsichtbare Köcher und einer Verteilerplatte. Beim Stuhl fällt die horizontale Rückenlehne auf: sitzt auf der gleichen Höhe wie das Blatt des Esstischs, fungiert als Armstütze, fungiert als Beistelltisch und Verlängerungselement. Ein einzelner Stuhl ist Ihr persönliches Verlängerungselement am Tisch. Mehrere Stühle zusammen bilden einen Kreis. Man sitzt (un)gewöhnlich entspannt auf dem Stuhl: mehr oder weniger seitlich, angenehm lässig. Jord ist ein Kind unserer Zeit.

 

jordlindelauf.com